Die Reihe
Fiktion und
Fiktionalisierung beschäftigt sich mit Problemen des
Medienwandels und der Entwicklung der modernen
Medienkultur. So verschieden die Gegenstände,
Fragestellungen und fachwissenschaftlichen Zugriffe der
einzelnen Bände der Reihe auch sind, sie sind über zwei
Kernthemen miteinander verbunden: Die Realität der Fiktion
und die Fiktionalisierung der Wirklichkeit.
Welche Bedeutung und welche Reichweite haben
Medienentwicklungen, die traditionelle Abgrenzungen von
„Realität“ und „Fiktion“ durch
strategische Interventionen unterlaufen? Was geschieht (und
warum), wenn fiktionales Erzählen zur Alltagsbegleitung
wird? Und was, wenn Realität nach den Regeln fiktionalen
Erzählens inszeniert wird?
In den bislang vorliegenden Titeln werden zwei auf den
ersten Blick gegensätzliche Entwicklungstendenzen sichtbar:
einerseits ein Trend hin zu Vermischungen und
Verschränkungen von Angebots- und Inszenierungsformen,
andererseits ein Trend zur Ausdifferenzierung und
Neuentstehung von Medien und Medienangeboten. Beide
Entwicklungen verweisen auf eine dritte, tiefer gehende
Entwicklung, die zu einem qualitativen Umschlag
öffentlicher Kommunikation beiträgt, der von der
Wissenschaft bislang oft übersehen worden ist: Fiktion und
Fiktionalisierung.
Das in dem Reihentitel angedeutete Spannungsfeld beschränkt
sich somit nicht nur auf offensichtliche Veränderungen des
Medienangebots wie die zunehmende Verschränkung von
non-fiktionalen und fiktionalen Darstellungsformen, von
behaupteter Wirklichkeitsrepräsentation und Erfundenem, von
Information und Unterhaltung.
Was bereits jetzt an der Oberfläche der Medienangebote
sichtbar wird, ist vielmehr Ergebnis eines Wandels hin zur
„Fiktionalisierung von Wirklichkeit“ ebenso wie
zur Herstellung einer neuen Qualität in der „Realität
der Fiktion“ – durch Inszenierung und
Dramatisierung, durch den Einsatz narrativer und visueller
Strategien und Interaktion. Damit verändert sich sowohl die
Medienrealität als auch die Wirklichkeitskonstruktion in
der Medienkultur.
Kernthema der Reihe sind solche Veränderungen der
Wirklichkeitskonstruktion und ihre Folgen für die
gesellschaftliche Kommunikation in der Medienkultur. Die
einzelnen Bände der Reihe sollen dazu beitragen, geeignete
Begriffe, Kategorien und Konzepte zu entwickeln. Sie bieten
theoretische Betrachtungen, empirische Analysen und
Vergleiche, Werkstattberichte und Dokumentationen in
Monographien oder Sammelbänden.
Der erste Band führt in die Problematik anhand der
Theatralität der Öffentlichkeit ein, worunter
neuere Dramatisierungs- und Inszenierungsaspekte
öffentlicher Kommunikation verstanden werden. Die
kulturelle Dimension der Veränderungen der Öffentlichkeit
stellen auch die weiteren Bände der Reihe in einer auf
Unterhaltungsangebote konzentrierten Perspektive heraus.
Der zweite Band nimmt hierzu die Entwicklung der
fiktionalen Unterhaltungsproduktion in Europa in der
zweiten Hälfte der neunziger Jahre in den Blick und
präsentiert erstmals die Ergebnisse des Projektverbundes
Eurofiction in deutscher Sprache. Das Fernsehereignis
“Big Brother” bildet im fünften Band einen
weiteren Anlass, sich mit Herausforderungen der
öffentlichen Kommunikation auseinander zu setzen.
Die Rolle der Unterhaltungsproduktion und der damit
verbundenen Politik des Vergnügens thematisiert schließlich
der dritte Band, mit dem die Position der Cultural Studies
anhand von Texten zahlreicher deutscher Vertreter
vorgestellt wird. Der sechste Band “Populäre Kultur
als repräsentative Kultur” bildet nochmals eine
kulturtheoretische Einordnung der Entwicklung, wobei
Kultursoziologie und Cultural Studies mit unterschiedlichen
Analysen zur Sprache kommen.
Ebenfalls aus kultursoziologischer Perspektive beschäftigt
sich der siebte Band mit Fragen der Globalisierung, deren
Auswirkungen für die zukünftige Entwicklung von
maßgeblichen Soziologen diskutiert werden. Die Beispiele
gehen erneut auf die Folgen von Grenzverwischungen und
Grenzüberschreitungen ein, die sich in der öffentlichen
Kommunikation vor allem auch an der Veränderung von Formen
der politischen Kommunikation ablesen lassen, denen der
achte und bislang letzte Band der Reihe nachgeht.
Diese Prozesse in ihrer Gesamtheit stellen
Herausforderungen für die kritische Bewertung und
Beobachtung der Medienkultur dar. Sie sind angemessen nur
durch multiperspektivische und interdisziplinäre Forschung
zu analysieren, die kulturellen und gesellschaftlichen
Wandel gleichermaßen im Auge behält. Zu dieser Forschung
werden auch die zukünftigen Bände der Reihe beitragen.
Die Reihe wird herausgegeben von PD Dr. Udo Göttlich, PD
Dr. Gerd Hallenberger und Dipl.-Soz.-Wiss. Jörg-Uwe
Nieland.